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Bahnstrecke Bort-les-Orgues–Neussargues

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Bort-les-Orgues–Neussargues
Viaduc de Salsignac (Cantal) mit einer X 2800, Sommer 2009
Viaduc de Salsignac (Cantal) mit einer X 2800, Sommer 2009
Strecke der Bahnstrecke Bort-les-Orgues–Neussargues
Streckennummer (SNCF):721 000
Kursbuchstrecke (SNCF):146
Streckenlänge:71,2 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 30[1] 
Bahnstrecke Bourges–Miécaze (stillgelegt) von Bourges
Abzweig geradeaus und von rechts (Strecke außer Betrieb)
Bahnstrecke Ussel–Bort-les-Orgues (unvollendet) v. Ussel
Kopfbahnhof Strecke bis hier außer Betrieb
454,6 Bort-les-Orgues 439 m
Grenze auf Brücke über Wasserlauf
458,1 Rhue (61 m) und Grenze Département Corrèze/ Cantal
Abzweig geradeaus und ehemals nach rechts
458,8 Bahnstrecke Bourges–Miécaze nach Miécaze
ehemaliger Bahnhof
462,3 Antignac-Vebret 511 m
Tunnel
464,4 Tunnel du Châtelet (398 m)
Brücke
465,6 Viaduc de Salsignac (189 m)
Tunnel
467,0 Tunnel du Tavelas (50 m)
ehemaliger Bahnhof
468,3 Saint-Étienne-Menet 680 m
ehemaliger Bahnhof
477,1 Riom-ès-Montagnes 841 m
Brücke über Wasserlauf
Véronne
Tunnel
479,0 Tunnel de Lestampe (1448 m) u. D 678 (ehem. N 678)
Brücke über Wasserlauf
480,9 Petite Rhue (Viaduc de Barajol (317 m)
Brücke
481,9 Viaduc de Chassagny (99 m)
Tunnel
484,8 Tunnel de Montagnac (598 m)
ehemaliger Bahnhof
485,9 Condat-St-Amandin 945 m
Brücke über Wasserlauf
492,9 Chavary (Viaduc de Lugarde 153 m)
ehemaliger Bahnhof
493,1 Lugarde-Marchastel 1013 m
ehemaliger Bahnhof
497,0 Saint-Saturnin-Saint-Bonnet 967 m
Brücke über Wasserlauf
497,6 Santoire (201 m)
ehemaliger Bahnhof
504,4 Landeyrat-Marcenat 1079 m
ehemaliger Bahnhof
511,4 Allanche 985 m
ehemaliger Bahnhof
519,5 Sainte-Anastasie 880 m
Brücke über Wasserlauf
~520,6 Allanche (2×)
ehemaliger Bahnübergang
~524,4 N 122 (ehem. N 588)
Brücke über Wasserlauf
~524,7 Alagnon
Abzweig geradeaus und von rechts
~525,4 Bahnstrecke Figeac–Arvant von Figeac
Brücke
~525,5 D 679 (ehem. N 679)
Bahnhof
525,8
359,7
Neussargues 808 m
Abzweig geradeaus und nach rechts
Bahnstrecke Béziers–Neussargues nach Béziers
Bahnstrecke Figeac–Arvant nach Arvant

Kilometrierung von Paris-Austerlitz über Vierzon und Montluçon

Die Bahnstrecke Bort-les-Orgues–Neussargues ist eine normalspurige, 71,2 km lange, Eisenbahnstrecke im französischen Zentralmassiv. Sie verbindet die Stadt Bort-les-Orgues im Département Corrèze mit dem Bahnknoten Neussargues-Moissac und stellt damit eine Querverbindung zwischen dem Dordognetal und dem Hochland der Auvergne her und weiter in den Raum der Monts du Cantal. Sie verläuft in nord-westlich-südöstliche Richtung fast ausschließlich im Département Cantal, ist eingleisig und wird nicht mehr regelmäßig bedient. Der Ausgangsbahnhof befindet sich noch im Département Corrèze, also in der Region Nouvelle-Aquitaine. Auf einem Teil der Strecke finden Museumsfahrten statt.[2]

Aufgrund der topographischen Verhältnisse weist die Strecke längere Rampen auf; die maximale Längsneigung beträgt 30 ‰. Der höchste Abschnitt der Linie liegt im Bereich zwischen Lugarde-Marchastel und Allanche auf annähernd 900 m Höhe und gehört damit zu den höchstgelegenen normalspurigen Bahnstrecken im Zentralmassiv.

Die Strecke Bort-les-Orgues–Neussargues wurde als Teil der Linienpriorisierung im Rahmen des Plan Freycinet von 1879 eingestuft und erhielt die Streckennummer 108. 1898 erhielt die Strecke die definitive Konzession zur Errichtung und Betrieb.[3] Sie entstand auf Grundlage staatlicher Konzessionen an die Chemin de fer de Paris à Orléans (PO). Sie sollte die bereits bestehenden Bahnstrecke Bourges–Miécaze in Bort-les-Orgues mit der Bahnstrecke Figeac–Arvant in Neussargues verbinden und ermöglichte damit erstmals durchgehende Zugfahrten über das Hochland des Massif central. Durch die neue Trasse erhielten Orte wie Riom-ès-Montagnes, Allanche und Lugarde-Marchastel einen Anschluss an das Eisenbahnnetz.

Gründe für den Bau

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Ein weiterer Vorteil war, die zuvor isolierten Regionen der Artense und des Cézallier zu erschließen und eine direkte Relation zwischen den Departements Corrèze und Cantal herzustellen. Sie schuf zugleich eine Querverbindung zwischen den Hauptachsen Brive–Tulle–Bort einerseits und Béziers–Neussargues andererseits. Darüber hinaus stand die Realisierung der Strecke im Kontext der strategischen Netzpolitik der PO: Die neue Strecke erlaubte der Gesellschaft, Verkehrsströme, die von oder nach außerhalb des Zentralmassivs befördert werden sollten, vertraglich zu sichern und gegenüber der konkurrierenden Chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée (PLM) selbst transportieren zu können.[4]

Schemazeichnung ausgewählter Eisen­bahn­verkehrs­wege Zentral­frank­reichs der Konkurrenz­situation PO vs. PLM

Entscheidend für den Transport von Waren war laut Tarifgesetz die kürzeste Entfernung zwischen Ausgang- und Zielbahnhof. Führte die berechnete Strecke durch das Gebiet der Bahngesellschaft, war sie anteilig am Umsatz beteiligt und konnte selbst bestimmen, welche eigenen Strecken für den Transport genutzt werden sollten. Es war daher sinnvoll, ein dichtes Streckennetz zu haben, um möglichst viel Ware durchleiten zu können. Insbesondere für Massengüter wie Wein und andere Agrargüter auf dem Weg nach Paris war diese Streckenpolitik erfolgreich.[4]

Der in der Revue Générale des Chemins de Fer (RGCF) veröffentlichte Bericht ordnete diese Entwicklungen in den Zeitraum zwischen dem internationalen Eisenbahnkongress von St. Louis 1905 und dem Eisenbahnkongress von Bern 1910 ein, in der auch die Eröffnung des Simplon-Tunnels liegt. Dieser wird als ein Beispiel in dem RGCF-Bericht verwendet; ein anderes ist die hier beschriebene Strecke. Dieser relativ kurze Zeitraum von fünf Jahren wurde dort als Phase beschrieben, in der das französische Hauptbahnnetz nur noch geringfügig erweitert wurde, während einzelne neue Verbindungen – darunter auch die Strecke Bort-les-Orgues–Neussargues – dennoch spürbare Auswirkungen auf bestehende Verkehrsrelationen zwischen den großen Eisenbahngesellschaften hatten. Im konkreten Fall konnte eine vier Kilometer kürzere Strecke gegenüber der PLM angeboten werden deren Strecken von Cette – heute Sète – nach Paris führten.[5][6]

Beginn und Ende des Verkehrs

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Bahnhof Bort-les-Orgues, 1987
Sicherung bei BK 485,5 am Streckenposten 358 in der Gemeinde Saint-Amandin, 2014

Die Strecke wurde auch für den Reisezugverkehr zugelassen und am 15. April 1898 konzessioniert. Der Bau erfolgte abschnittsweise, sodass am 2. Dezember 1907 die Teilstrecken von Bort-les-Orgues nach Riom-ès-Montagnes sowie von Allanche nach Neussargues eröffnet werden konnten. Der dazwischenliegende Abschnitt zwischen Riom-ès-Montagnes und Allanche ging ein halbes Jahr später am 11. Mai 1908 in Betrieb, womit die durchgehende Verbindung hergestellt war.[2]

Der Personenverkehr auf der gesamten Strecke wurde am 26. Mai 1990 eingestellt. Der Güterverkehr endete am 31. August 1991. In der Folge wurde die Linie außer Betrieb genommen.[2] Einzelne Abschnitte der ehemaligen Bahntrasse werden seitdem touristisch genutzt. Zwischen Riom-ès-Montagnes und Lugarde-Marchastel gibt es täglich einen festen Fahrplan mit ein oder zwei Zugpaaren über den Sommer, in der übrigen Zeit verkehren die Züge nur an einzelnen Wochentagen. Vermarktet wird der Service unter der Bezeichnung Gentiane Express. Der Abschnitt zwischen Lugarde-Marchastel und Allanche wird für den Betrieb von Vélorails genutzt.[7] Schienen sind noch auf der gesamten Strecke vorhanden.[2]

Das Höhenprofil der Strecke ist durch den Übergang vom Tal der Dordogne in das Hochland des französischen Zentralmassivs geprägt. Bort-les-Orgues, auf etwa 430 Metern Höhe im Dordognetal gelegen, ist der Ausgangspunkt, von dem die Trasse in östlicher Richtung zunächst entlang des Flusstals führt und anschließend über mehrere Seitentäler hinweg auf das Plateau der Artense.

Der Streckenverlauf ist dabei von längeren ansteigenden Abschnitten gekennzeichnet, mit denen schrittweise Höhe gewonnen wird. Im Bereich von Riom-ès-Montagnes erreichte sie eine Höhenlage von rund 840 Metern. Der weitere Verlauf führte über das weitgehend offene Hochland mit nur moderaten Höhenunterschieden. Südöstlich davon steigt die Strecke erneut an, um im Bahnhof von Neussargues-Moissac rund 740 Meter zu erreichen. Insgesamt überwindet die Strecke zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Punkt einen Höhenunterschied von rund 550 Metern.

Für den Bau auf diesem anspruchsvollen Gelände war eine Reihe von Kunstbauwerken notwendig, darunter fünf Viadukte von ca. 100 m oder mehr (s. nachfolgende Tabelle) sowie vier Tunnel, der längste der Tunnel de Lestampe mit 1448 m.[8]

SKM Name Länge Höhe Bauform Konstruktion Koordinate und Weblink
465,6 Viaduc de Salsignac 189 m 24 m 14 Bögen à ca. 10 m Gewölbebrücke 45° 20' 27.64" N 2° 34' 2.4" E [1]
480,9 Viaduc de Barajol 317 m 57 m 12 Bögen à ca. 20 m Gewölbebrücke 45° 18' 14.46" N 2° 41' 39.21" E [2]
481,9 Viaduc de Chassagny 99 m 22 m 6 Bögen à ca. 12 m Kreisbogenbrücke 45° 18' 30.48" N 2° 42' 1.3" E [3]
492,9 Viaduc de Lugarde 153 m 26 m 12 Bögen à ca. 10 m Kreisbogenbrücke 45° 17' 21.65" N 2° 45' 30.83" E [4]
497,6 Viaduc de Saint‑Saturnin 206 m 36 m 10 Bögen à ca. 15 m Kreisbogenbrücke 45° 15' 49.36" N 2° 47' 54.24" E [5]
SKM = Streckenkilometer

Einzelnachweise

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  1. Carnet de profils et schémas. SNCF, Région du sud-ouest, 1958.
  2. a b c d Ligne Bort-les-Orgues – Neussargues, Fandom, 20. April 2020.
  3. Loi ayant pour objet de déclarer d’atilité publique, à titre d’intérêt général, l’établissement du Chemin de fer de Bort à Neussargues. Journal officiel, Loi n° 34677 du 15 avril 1898, Bulletin des lois de la République française.
  4. a b Bort–Neussargues. Description, Rail 4402, private Homepage.
  5. Les chemins de fer français de 1905 à 1910, Revue Générale des Chemins de Fer, September 1911.
  6. RGCF septembre 1911: Les chemins de fer français de 1905 à 1910. Wikiplm, 2. Mai 2012.
  7. Gentiane Express – Train touristique, 2026.
  8. Eisenbahnlinie Bort-les-Orgues - Neussargues. In: Structurae, 29. September 2003.