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Byzantinisch-venezianischer Vertrag (1082)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Südosteuropa im Jahr 1000 mit byzantinischen Gebieten in rot

Der byzantinisch-venezianische Vertrag von 1082 war ein Handels- und Verteidigungspakt zwischen dem Byzantinischen Reich und der Republik Venedig in Form einer kaiserlichen Chrysobullos logos, die von Kaiser Alexios I. Komnenos ausgestellt wurde. Dieser Vertrag, der den Venezianern im Gegenzug für ihre Hilfe in den Kriegen gegen die Normannen bedeutende Handelszugeständnisse einräumte, sollte sowohl auf Byzanz als auch auf die Republik einen großen Einfluss über die nächsten Jahrhunderte haben.

Das Byzantinische Reich gewährte der Republik Venedig zahlreiche Handelszugeständnisse als Gegenleistung für militärische Unterstützung im Kampf gegen die Normannen, die verschiedene byzantinische Besitzungen innerhalb und außerhalb des Reiches überfielen und eroberten. Gemäß dem Vertrag gewährten die Byzantiner den Venezianern das Recht, im gesamten Reich ohne Steuerabgaben Handel zu treiben. Den Venezianern wurde außerdem die Kontrolle über die wichtigsten Hafenanlagen von Konstantinopel sowie über mehrere wichtige öffentliche Ämter übertragen. Der Vertrag gewährte dem Dogen von Venedig außerdem verschiedene Ehrenrechte sowie ein Einkommen. Schließlich erhielten die Venezianer einen eigenen Bezirk innerhalb von Byzanz mit Geschäften, einer Kirche und einer Bäckerei, was mit den Konzessionen des Kolonialismus im 19. Jahrhundert vergleichbar ist.

Als Gegenleistung für diese Handelszugeständnisse verlangte das Byzantinische Reich von den Venezianern militärische Unterstützung, insbesondere in Form von Schiffen, da das Reich über keine nennenswerte Marine verfügte.

Die von der Republik Venedig versprochene militärische Hilfe kam tatsächlich in Form einer Seeblockade der Normannen bei Dyrrachium, die die Normannen zwang, sich auf eine Schlacht mit den Byzantinern einzulassen. Die Gewinne der Venezianer überwogen jedoch bei weitem die der Byzantiner, da sie große Vorteile aus den neuen Handelsvorteilen zogen, die ihnen der Vertrag verschaffte. Die Fähigkeit des Byzantinischen Reiches, sich nach Verlusten zu erholen, war erheblich eingeschränkt, da das Reich durch die Gewährung des zollfreien Handels für die Venezianer auf immense Einnahmen verzichtete. Dies schwächte die Erholungskraft des Reiches und leitete letztlich seinen endgültigen Niedergang ein.

  • Robert Bideleux, Ian Jeffries: A History of Eastern Europe: Crisis and Change. Psychology Press, 1998, ISBN 978-0-415-16112-1.
  • Olivia Remie Constable: Housing the Stranger in the Mediterranean World: Lodging, Trade, and Travel in Late Antiquity and the Middle Ages. Cambridge University Press, 2003, ISBN 978-0-521-81918-3.
  • Timothy E. Gregory: A History of Byzantium. John Wiley & Sons, 2010, ISBN 978-1-4051-8471-7.
  • Frankopan, Peter: Byzantine Trade Privileges to Venice in the Eleventh Century: The Chrysobull of 1092. In: Journal of Medieval History. 30. Jahrgang, Nr. 2. Elsevier, 2004, S. 135–60, doi:10.1016/j.jmedhist.2004.03.005 (elsevier.com (Memento des Originals vom 14. Oktober 2008 im Internet Archive) [abgerufen am 8. Dezember 2014]).
  • Nicovich, John Mark: The Poverty of the Patriarchate of Grado and the Byzantine–Venetian Treaty of 1082. In: The Mediterranean Historical Review. 24. Jahrgang, Nr. 1. Routledge, New York 2009, S. 1–16, doi:10.1080/09518960903000736.