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Lothar Elsner

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Lothar Hermann Rainer Elsner (* 29. Dezember 1933 in Finsterwalde; † 1. März 1996 in Rostock) war ein deutscher marxistisch-leninistischer Historiker und Hochschullehrer sowie Funktionär der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).

Familie und Ausbildung

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Lothar Elsner entstammte einem Pädagogenhaushalt: sein Vater Lothar Elsner und seine Mutter Gertrud Elsner (geb. Pohlmann) waren beide Lehrkräfte; die Mutter wirkte zudem als Bibliothekarin.

Elsner war mit Eva-Maria (* 1939 in Rostock), die Tochter des Buchhalters Walter Knaack, verheiratet, die als Hochschuldozentin für Politische Ökonomie an der Universität Rostock lehrte.[1] Die beiden arbeiteten auch wissenschaftlich miteinander.

Nach seinem Abitur 1953 an der Goethe-Oberschule (siehe Konfessionelle Knabenschule) in Finsterwalde studierte Elsner von 1953 bis 1957 Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin, wo er sein Studium mit dem Diplom zum Historiker abschloss. Er war ein Schüler von Johannes Nichtweiss.[2]

Seine frühe akademische Karriere war an die Universität Rostock gebunden. Von 1957 bis 1962 war er als Assistent und Oberassistent mit Lehrauftrag am Historischen Institut tätig. In dieser Phase verfertigte er seine Dissertation, die 1961 mit dem Titel Die ausländischen Arbeiter in der Landwirtschaft der östlichen und mittleren Gebiete des Deutschen Reiches während des 1. Weltkrieges. Ein Beitrag zur Geschichte der preußisch-deutschen Politik angenommen wurde.

Politische und administrative Tätigkeiten (1962–1969)

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Der Übergang vom wissenschaftlichen zum administrativen Bereich prägte die Jahre von 1962 bis 1969. In dieser Periode wirkte Elsner als Mitarbeiter, Sektoren- und Abteilungsleiter sowie als Sekretär für Volksbildung, Wissenschaft und Kultur in der Bezirksleitung der SED in Rostock.

Wissenschaftliche Karriere und Forschungsschwerpunkte

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Mit seiner Habilitation 1967 erlangte Elsner die akademische Venia legendi. Seine Habilitationsschrift trug den Titel Die Fremdarbeiterpolitik des staatsmonopolistischen Herrschaftssystems in Westdeutschland. Zur Lage und zum Kampf der ausländischen Arbeiter in der Bundesrepublik und demonstrierte seine Spezialisierung auf die vergleichende Analyse von Fremdarbeiterpolitik in beiden deutschen Staaten.

Seit dem 1. Juni 1969 war Elsner ordentlicher Professor für Allgemeine Geschichte und Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung an der Sektion Geschichte der Universität Rostock. In dieser Position führte er eine Forschungsgruppe zum Thema „Migration und Ausländerpolitik im 19. und 20. Jahrhundert“, die sich mit langfristigen historischen Prozessen der Arbeitsmigration auseinandersetzte. Seine wissenschaftliche Mobilität dokumentiert sich durch Vortrags- und Studienreisen nach Finnland, Jugoslawien, Polen, Ungarn, Österreich, in die Bundesrepublik Deutschland, die USA, Belgien und West-Berlin.

Im Juni 1992, im Kontext der deutschen Wiedervereinigung und der damit verbundenen Reorganisation des Hochschulsystems, wurde Elsner zwangsweise in den Vorruhestand versetzt. Dies beendete seine aktive akademische Karriere, obwohl er noch bis zu seinem Tode wissenschaftlich tätig blieb.

Akademische Selbstverwaltung

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Neben seiner Forschungstätigkeit übernahm Elsner administrative Funktionen innerhalb der Universität. Von 1970 bis 1974 amtierte er als Prorektor für Gesellschaftswissenschaften und von 1976 bis 1980 als Sektionsdirektor der Sektion Geschichte. Daneben leitete er als Präsidiumsmitglied die Historiker-Gesellschaft (1976–1990) und fungierte als Leiter der Bezirkskommission der Historiker des Bezirkes Rostock.

Seine redaktionelle Arbeit war umfangreich: Er war Mitglied des Redaktionskollegiums der Wissenschaftlichen Zeitschrift der Universität Rostock (1970–1990), wissenschaftlicher Leiter der Schriftenreihe Fremdarbeiterpolitik des Imperialismus (1974–1992), Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats für Geschichtswissenschaften beim Ministerium für das Hoch- und Fachschulwesen der DDR (1977–1984), Leiter des Redaktionskollegiums der Schriftenreihe Beiträge zur Geschichte der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock (1981–1991), Redaktionsmitglied der Schriftenreihe Beiträge zur Geschichte der Stadt Rostock des Stadtarchivs Rostock (1981–1996) und Leiter des Redaktionskollegiums der Schriftenreihe Manuskripte zur Rostocker Universitätsgeschichte (1988–1989).

Seine wissenschaftliche und politische Arbeit wurde durch staatliche Ehrungen gewürdigt. 1967 erhielt Elsner die Verdienstmedaille der DDR, 1976 den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze sowie die Ehrennadel der Universität Rostock.

Wissenschaftliches Wirken

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Elsners Publikationen konzentrierten sich schwerpunktmäßig auf die vergleichende Geschichte der Fremdarbeiterpolitik in Deutschland sowie auf Fragen der internationalen Arbeiterbewegung. Seine Monografien und Beiträge dokumentieren eine kritische Auseinandersetzung mit den Strukturen der Arbeitsmarktpolitik sowohl im wilhelminischen Reich als auch in der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik. Seine Habilitationsschrift trug den Titel Die Fremdarbeiterpolitik des staatsmonopolistischen Herrschaftssystems in Westdeutschland. Zur Lage und zum Kampf der ausländischen Arbeiter in der Bundesrepublik.

Seit 1974 richtete er in zweijährigen Abständen wissenschaftliche Kolloquien mit internationaler Beteiligung aus.[3]

Mitgliedschaften

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Elsner war Mitglied der SED.

Schriften (Auswahl)

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  • Die ausländischen Arbeiter in der Landwirtschaft der östlichen und mittleren Gebiete des Deutschen Reiches während des Ersten Weltkrieges. Rostock 1961.
  • Fremdarbeiterpolitik in Westdeutschland. Zur Lage und zum Kampf der ausländischen Arbeiter unter den Bedingungen des westdeutschen staatsmonopolistischen Herrschaftssystems (1955–1968). 1970.
  • Die Verantwortung der sozialistischen Hochschule für die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden. Riga 1974.
  • Zum Wesen und zur Kontinuität der Fremdarbeiterpolitik des deutschen Imperialismus. 1974.
  • Die polnischen Arbeiter in der deutschen Landwirtschaft während des Ersten Weltkriegs. Rostock, 1975.
  • 10 Tage, die die Welt erschütterten - 60 Jahre, die die Welt veränderten: Rede auf der am 4. November 1977 durchgeführten Festveranstaltung der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock anläßlich des 60. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Rostock, 1978 (Digitalisat).
  • Rostock. Geschichte der Stadt in Wort und Schrift. Von einem Autorenkollektiv unter Leitung von Lothar Elsner. Berlin, 1980.
  • Lothar Elsner; Gerhard Heitz: 25 Jahre Historisches Institut, Sektion Geschichte der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock, 1956–1981. Rostock, 1981 (Digitalisat).
  • Eva-Maria Elsner; Lothar Elsner: Jagd um Rostock. Zur geschichtlichen Entwicklung des sozialistischen Jagdwesens im Kreis Rostock-Land. Rostock, 1984.
  • Joachim Lehmann; Lothar Elsner: Ausländische Arbeiter unter dem deutschen Imperialismus 1900 bis 1985. Berlin, 1988.
  • Eva-Maria Elsner; Lothar Elsner: Weidwerk im Bezirk Rostock. 40 Jahre Entwicklung des sozialistischen Jagdwesens. Rostock 1989.
  • Migracii i migranty v mire kapitala: istoriceskie sud’by i sovremenoe Polizenie. Kiew 1990.
  • Eva-Maria Elsner; Lothar Elsner: Zwischen Nationalismus und Internationalismus – über Ausländer und Ausländerpolitik in der DDR 1949–1990. Rostock, 1994.
  • Eva-Maria Elsner; Lothar Elsner: Über Ausländerpolitik und Ausländerfeindschaft in der DDR (1949–1990). Leipzig 1994 (pdf).
  • Eva-Maria Elsner; Lothar Elsner: Zwischen Internationalismus und Nationalismus. Ausländer und Ausländerpolitik in der DDR 1949–1990. Rostock 1994.
  • Eva-Maria Elsner; Lothar Elsner; Heinz Koch: Die Herrengesellschaft – Leben und Wandlungen des Wilhelm von Oertzen. Rostock, 1998.

Einzelnachweise

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  1. Elsner, Eva-Maria. In: Catalogus Professorum Rostochiensium. Universität Rostock, 13. August 2018, abgerufen am 14. Januar 2026.
  2. Emmanuel Droit, Nicolas Offenstadt: Das rote Erbe der Front: Der Erste Weltkrieg in der DDR. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2022, ISBN 978-3-11-071084-7 (google.de [abgerufen am 14. Januar 2026]).
  3. Bücher gegen das Vergessen. In: Erinnerungsbibliothek DDR e.V. Abgerufen am 14. Januar 2026.