Magnus Pettersson

Magnus Franz Heinrich Gustav Pettersson (* 23. Januar 1916 in Uetersen; † 12. Oktober 1944 im KZ Buchenwald) war ein deutsches Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Er wurde 1940 verhaftet, zu langjährigem Zuchthaus verurteilt, als „asozial“ stigmatisiert und 1944 in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert, wo er ums Leben kam.
Herkunft und Familie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Magnus Pettersson wurde am 23. Januar 1916 in Uetersen geboren. Seine Eltern waren Marie Pettersson, geborene Schwarz, und Magnus Pettersson senior, ein Zigarrenmacher. Die Familie war evangelisch-lutherischer Konfession und hatte schwedische Vorfahren. Zum Zeitpunkt seiner Geburt lebte die Familie in der Parkstraße 2 in Uetersen.
Pettersson hatte mindestens vier Geschwister, darunter Emma Pettersson, verheiratete Karow, sowie Werner Pettersson, die zeitweise in seiner unmittelbaren Nachbarschaft lebten. Die Namen weiterer Geschwister sind nicht überliefert.
Im Februar 1938 heiratete Pettersson Else Jänsch, die aus Schlesien stammte. Aus der Beziehung gingen mehrere Kinder hervor, von denen zwei kurz nach der Geburt verstarben. Die Ehe wurde 1941 geschieden.
Beruf und Lebensumstände
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pettersson lebte zunächst im Kleinen Sand, später im Ossenpadd 31 in Uetersen. Er arbeitete überwiegend als Gelegenheitsarbeiter. Zwischen 1937 und 1940 war er mehrfach als Losverkäufer für das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes tätig, das organisatorisch mit der NSV verbunden war.
In diesem Zusammenhang wurde ihm vorgeworfen, Lose im Wert von über 50 Reichsmark einbehalten zu haben. Seine wirtschaftliche Situation war instabil; zeitweise war er auf Unterstützungsleistungen angewiesen.
Verhaftung und Strafverfahren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 6. März 1940 wurde Magnus Pettersson verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, dem Gelegenheitsarbeiter Heinrich Ehlers aus Unterglinde zunächst die Geldbörse entwendet und ihn wenige Tage später nachts in dessen Wohnung überfallen zu haben. Dabei soll er Ehlers geschlagen und nach weiterem Geld gesucht haben.
Pettersson bestritt die Vorwürfe zunächst. Später legte er ein Geständnis ab und begründete die Tat mit akutem Geldmangel und der Notwendigkeit, seine Familie zu versorgen. Noch im März 1940 wurde ein Haftbefehl erlassen und Pettersson in das Untersuchungsgefängnis Hamburg überstellt.
Zusätzlich leitete die Justiz ein Verfahren wegen eines „Verbrechens gegen die Volksschädlingsverordnung“ ein. Diese 1939 erlassene Verordnung diente der verschärften Verfolgung tatsächlicher oder vermeintlicher Straftaten unter Kriegsbedingungen und wurde häufig politisch instrumentalisiert.
Im Zuge des Verfahrens wurde Pettersson als Angehöriger einer angeblich „erbbiologisch minderwertigen“ und „asozialen“ Familie diffamiert. Ihm wurde unterstellt, arbeitsunwillig zu sein und der öffentlichen Fürsorge zur Last zu fallen.
Im April 1940 wurde er zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt.
Haft, Deportation und Tod
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pettersson wurde im Zuchthaus Bremen-Oslebshausen inhaftiert. In einem handschriftlichen Dokument aus dem Jahr 1943 gab er an, die Schuld für den Überfall allein auf sich genommen zu haben, obwohl es zwei Mittäter gegeben habe. Er berichtete von körperlichen und seelischen Misshandlungen während der Ermittlungen sowie von Drohungen mit der Todesstrafe.
1944 wurde seine Zuchthausstrafe unterbrochen, und er wurde in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Diese Praxis diente der systematischen Überführung sogenannter „Asozialer“ aus dem Strafvollzug in Konzentrationslager, wo viele von ihnen durch Zwangsarbeit, Misshandlungen oder Vernachlässigung ums Leben kamen.
Magnus Pettersson starb am 12. Oktober 1944 im KZ Buchenwald. Eine offizielle Todesursache ist nicht überliefert.
Erinnerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Magnus Pettersson zählt zu den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung, die aufgrund sozialer Zuschreibungen kriminalisiert, entrechtet und schließlich ermordet wurden. Sein Schicksal wird im Rahmen regionaler Erinnerungsarbeit dokumentiert, unter anderem durch das Projekt Spurensuche Kreis Pinneberg und Umgebung.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Herbert Diercks: Die Freiheit lebt! Widerstand und Verfolgung im Kreis Pinneberg 1933–1945. Hamburg 1983.
- Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein (AKENS): Dokumentationen zum Widerstand und zur Verfolgung im Kreis Pinneberg.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- https://www.spurensuche-kreis-pinneberg.de/spur/magnus-pettersson-1916-1944-als-asozial-stigmatisiert/ – Spurensuche Kreis Pinneberg und Umgebung
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pettersson, Magnus |
| ALTERNATIVNAMEN | Pettersson, Magnus Franz Heinrich Gustav (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsches Opfer nationalsozialistischer Verfolgung |
| GEBURTSDATUM | 23. Januar 1916 |
| GEBURTSORT | Uetersen |
| STERBEDATUM | 12. Oktober 1944 |
| STERBEORT | KZ Buchenwald |