Marktverknappung von Halbleiterspeichern im Zuge des KI-Booms
Als Marktverknappung von Halbleiterspeichern im Zuge des KI-Booms werden seit Mitte der 2020er Jahre von Marktanalysten beobachtete Angebots- und Nachfrageverschiebungen im Bereich von DRAM- und NAND-Flash-Speichern bezeichnet.
Anders als bei klassischen Lieferengpässen, wie der Chipkrise im Jahr 2020, beruht diese Entwicklung nicht auf einem physischen Produktionsausfall, sondern auf einer strategischen Umverteilung begrenzter Fertigungskapazitäten zugunsten hochmargiger Anwendungen in der KI- und Rechenzentruminfrastruktur. In mehreren Marktsegmenten führte dies zu teils erheblichen Preissteigerungen und Unterversorgung des Verbrauchermarkts, insbesondere im Jahr 2025.[1][2]
| Marktverknappung von Halbleiterspeichern im Zuge des KI-Booms | |
|---|---|
| Zeitraum | 2024 - dato |
| Ort | Global |
| Ursachen | Erhöhte Nachfrage durch den Ausbau der Infrastruktur von Künstlicher Intelligenz Verlagerung der Produktionskapazitäten zu High Bandwidth Memory |
| Verantwortliche Firmen | Samsung Electronics SK Hynix Micron Technology OpenAI |
| Folgen | Eine etwa 200 bis 400 % Preiserhöhung von DRAM und NAND-Flash Produkten, wobei ca. 40 % des globalen DRAM Angebots von OpenAI beansprucht wird. Dies führt zu Kostensteigerungen von etwa 20 bis 40 % für PC Erstausrüster. |
Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Infolge eines schwerwiegenden Nachfragerückgangs von 2022 bis 2023 haben die führenden Halbleiterspeicherhersteller, Samsung Electronics, SK Hynix und Micron Technology, strategische Produktionsreduktionen initiiert, um die Preise zu stabilisieren.[3] Die plötzliche Expansion der Dienstleistungen auf Basis von generativen KI Mitte 2024 hat eine bisher noch nie da gewesene Nachfrage für spezialisierte Halbleiterspeicherprodukte ausgelöst. Hierzu zählt insbesondere der Bedarf an High Bandwidth Memory, welches für KI-Beschleuniger und die Grafikprozessoren von Rechenzentren genutzt wird.[4][5][6]
Eine McKinsey & Company Untersuchung aus dem Jahre 2024 prognostizierte, dass sich die globale Nachfrage für Kapazitäten von Rechenzentren, die in der Lage sind KI-Dienstleistungen zu unterstützen, bis 2030 um 33 % pro Jahr steigern solle. Hierbei sollen KI-begründete Arbeitslasten bis zum Ende des Jahrzehnts rund 70 % der gesamten Auslastung aller Rechenzentren beanspruchen.[7]
Ursachen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]High Bandwidth Memory Produktionsverlagerungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Herstellung von High Bandwidth Memory benötigt wesentlich mehr Waferkapazität pro Bit als gewöhnliche DRAM-Module. Quellen aus der Industrie zufolge sollen Hersteller nun größere Anteile ihrer Waferkapazitäten der High Bandwidth Memory Produktion widmen, weswegen die Produktion und das Angebot von herkömmlichen DDR4 und DDR5 Modulen, zur Verwendung in Verbraucherelektronikartikeln wie PCs und Smartphones, stark abnimmt.
Laut Angaben der Branche durch ZDNet Korea[8], übersetzt von TrendForce[9], hat Samsung Electronics seine Produktionskapazität für 1c-DRAM bereits im September 2025 auf bis zu 60.000 Wafer pro Monat ausgeweitet, die gezielt für die HBM4-Produktion vorgesehen sind. Hierdurch wurden weitere Ressourcen von klassischen Verbraucher-Produktlinien wegverlagert.
Geopolitische Barrieren und Handelsbarrieren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die seit des Handelskonflikts zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China immer wieder eskalierenden Handelsstreite zwischen den beiden Staaten verursachen weitere Probleme in der Absatzkette. Die führenden Halbleiterspeicherhersteller Samsung Electronics und SK Hynix waren deswegen im Jahr 2025, aus Sorge vor amerikanischen Strafzöllen und anderen strafenden Außenhandelsinstrumenten, dazu gezwungen gebrauchte Halbleiterproduktionsmaschinerie nicht mehr an chinesische Unternehmen weiterzuverkaufen, was die Produktionskapazitäten der Volksrepublik gedeckelt hat.[10]
Zusätzlich forderten die, Ende 2025 von der US-Regierung vorgestellten, Zollregelungen weitere Restrukturierungen der Absatzkette, beispielsweise entschied sich Apple dazu alle Smartphones für den amerikanischen Verbrauchermarkt in Indien herstellen zu lassen, um potenzielle Einfuhrabgaben zu vermeiden.[11]
NAND-Flash-Kapazitätsbegrenzungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Geschäftssegment für NAND-Flash priorisieren Hersteller, aufgrund der höheren Gewinnspanne, die Produktion von SSDs zur Verwendung in Rechenzentren. Im November 2025 haben sich die Vertragspreise für NAND-Wafer in bestimmten Produktkategorien monatlich um mehr als 60 % erhöht, weshalb gerade 512GB TLC-Speicherzellen von enorme Preissteigerungen betroffen waren, da die Produktion älterer Hardware eingestellt wurde.[12]
Folgen für Industrie und Verbraucher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Reaktion der Hersteller
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bedeutende PC-Hersteller wirkten den Komponentenpreiserhöhungen mit entsprechenden Preisanpassungen und Beschaffungsstrategien entgegen. Jeff Clarke, der leitende Geschäftsführer von Dell Technologies, gab in einem Telefonat mit Analysten an, dass das Unternehmen "noch nie in einem solchen Tempo eskalierende Preise erlebt hätte", hiermit bezog er sich auf die begrenzte Verfügbarkeit von DRAM, Festplatten und NAND-Flash-Speicher.[13]
Ende 2025 werteten Morgan Stanley Finanzanalysten die Dell Technologies Aktie Ende 2025 von "Overweight", also werthaltiger als der Kurs es im Moment widerspiegelt, zu "Underweight" ab. Dies erfolgte mit der Begründung, dass Dell stark von steigenden Kosten für Serverspeicher betroffen sei. Die Bank würde darüber warnen, dass die in die Höhe schießenden Preise für Halbleiterspeicher die Gewinnmargen von Server- und PC-Erstausrüster stark schädigen könnte.[14] Im Gegenzug sei Apple weniger betroffen als seine Konkurrenz, da sich die Firma im ersten Quartal 2026 langfristige DRAM Liefervereinbarungen sichern konnte.[14]
Winston Cheng, der Finanzchef von Lenovo, beschreibt den Preisanstieg als "präzedenzlos" und offenbarte, dass das Lager der Firma ungefähr 50 % mehr Vorräte an Halbspeichermodulen, als für gewöhnlich benötigt, hielt.[15]
Sektor für Verbraucherelektronik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dieser Engpass hat Smartphone- und anderer Verbraucherelektronikhersteller besonders beeinträchtigt. Die Preise für DRAM seien Berichten zufolge im Jahr 2025 um 172 % gestiegen, weswegen führende Hersteller wie Samsung Neubestellungen für DDR5 Module vorerst eingestellt haben, um die ihre Preispolitik reevaluieren zu können.[16]
In Akihabara, also dem Ortsteil Tokyos, der als Herz des Elektronikhandels in Japan bekannt ist, haben Einzelhändler begonnen den Kauf von Halbleiterprodukten zu begrenzen, um das Horten dieser Güter zu verhindern.[17] Manche Firmen adaptieren trotz der steigenden Hardwarekosten aggressive Preisstrategien, um ihre Marktanteile beizubehalten; deswegen hat Sony beispielsweise den Preis der PlayStation 5 während des Black Friday 2025 um 100 US-Dollar bzw. 90 Pfund Sterling reduziert, um mittels der abgefangenen Komponentenkosten das Wachstum der PS5-Software und darin enthaltenen Verkaufspotenziale zu stimulieren.[18]
Wettbewerb zwischen KI-Anbietern
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Laut Reuters haben die Technologieunternehmen Google LLC, Amazon, Microsoft und Meta Platforms dem Halbleiterhersteller Micron Technology offene Kaufangebote über maximale Abnahmemengen unabhängig vom Preis gemacht.[19]
OpenAI hat im Oktober 2025 eine strategische Partnerschaft mit Samsung Electronics und SK Hynix angekündigt, um eine ausreichende Hardwareversorgung für das Stargate-Projekt zu sicherzustellen.[20] Berichten zufolge würde allein dieses Projekt bis zu 40 % der weltweiten DRAM Produktion beanspruchen, was einen Bedarf von etwa 900.000 Wafern pro Monat umfasst.[21]
Die KI Prozessoren von Nvidia benötigen substantielle Mengen an High Bandwidth Memory. Die Firma hat die enormen Preiserhöhungen zwar bestätigt, aber gibt an eine ausreichende Versorgung gesichert zu haben.[22] CNBC berichtete, dass Nvidias zunehmende Verwendung von LPDDR-Speicher für die eigenen KI-Produkten zusätzlichen Druck auf die Lieferketten ausübt, da dieser Speichertyp auch in hochwertigen Verbraucherelektronikprodukten eingesetzt wird.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Anton Shilov published: The RAM pricing crisis has only just started, Team Group GM warns — says problem will get worse in 2026 as DRAM and NAND prices double in one month. 1. Dezember 2025, abgerufen am 20. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Hyunjoo Jin, Fanny Potkin, Wen-Yee Lee, Anton Bridge, Max Cherney: The AI frenzy is driving a memory chip supply crisis. In: Reuters. 3. Dezember 2025, abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Micron Technology, Inc. Reports Results for the Fourth Quarter and Full Year of Fiscal 2025. In: Micron Technology, Inc. 23. September 2025, abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).
- ↑ If you thought RAM was expensive, be ready for SSDs to get just as bad. In: PC Gamer. 1. Dezember 2025 (pcgamer.com [abgerufen am 20. Januar 2026]).
- ↑ Kristian Kask: AI-driven RAM shortage hits Raspberry Pi: Price hikes and a new budget model. In: PCWorld. Abgerufen am 20. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Sean Hollister: RAM prices are so out of control that stores are selling it like lobster. In: The Verge. 25. November 2025 (theverge.com [abgerufen am 20. Januar 2026]).
- ↑ Bhargs Srivathsan, Marc Sorel, Pankaj Sachdeva, Arjita Bhan, Haripreet Batra, Raman Sharma, Rishi Gupta, Surbhi Choudhary: AI power: Expanding data center capacity to meet growing demand. In: McKinsey & Company. 29. Oktober 2024, abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).
- ↑ 장경윤 (Jang Gyeong-yun): 삼성전자, HBM4 '1C D램' 생산 확대...P4 설비·전환투자 속도. 11. September 2025, abgerufen am 20. Januar 2026 (koreanisch).
- ↑ [News] Samsung Reportedly Expands 1c DRAM Capacity for HBM4, Targeting 60K Wafers Monthly in 2025. In: TrendForce. Abgerufen am 20. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Samsung, SK Hynix halt old equipment sales over fears of US backlash, FT reports. In: Reuters. 12. März 2024, abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Munsif Vengattil: Apple moving to make most iPhones for US in India rather than China, source says. In: Reuters. 25. April 2025, abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Luke James published: NAND wafer shortages push November contract prices up by over 60% — market tightens as hyperscalers purchase capacity for AI data centers. 1. Dezember 2025, abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Tech firms from Dell to HP warn of memory chip squeeze from AI. In: The Straits Times. 27. November 2025, ISSN 0585-3923 (straitstimes.com [abgerufen am 21. Januar 2026]).
- ↑ a b Bruno Ferreira published: AI-led DRAM supply crunch reportedly has Morgan Stanley downgrading major OEMs — skyrocketing memory prices could erode server and PC margins. 17. November 2025, abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Tech firms from Dell to HP warn of memory chip squeeze from AI. In: The Straits Times. 27. November 2025, ISSN 0585-3923 (straitstimes.com [abgerufen am 21. Januar 2026]).
- ↑ Muhammad Zuhair: DRAM Prices Have Risen by a Whopping 172% This Year Alone, Prompting Memory Manufacturers to Halt New Orders For DDR Modules. 3. November 2025, abgerufen am 21. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Hyunjoo Jin, Fanny Potkin, Wen-Yee Lee, Anton Bridge, Max Cherney: The AI frenzy is driving a memory chip supply crisis. In: Reuters. 3. Dezember 2025, abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Robert Anderson: Sony Is Knocking $100 Off PS5 Consoles for Black Friday 2025. 18. November 2025, abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Hyunjoo Jin, Fanny Potkin, Wen-Yee Lee, Anton Bridge, Max Cherney: The AI frenzy is driving a memory chip supply crisis. In: Reuters. 3. Dezember 2025, abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Samsung and OpenAI Announce Strategic Partnership To Accelerate Advancements in Global AI Infrastructure. In: Samsung. 1. Oktober 2025, abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Anton Shilov published: OpenAI's Stargate project to consume up to 40% of global DRAM output — inks deal with Samsung and SK hynix to the tune of up to 900,000 wafers per month. 1. Oktober 2025, abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Hyunjoo Jin, Fanny Potkin, Wen-Yee Lee, Anton Bridge, Max Cherney: The AI frenzy is driving a memory chip supply crisis. In: Reuters. 3. Dezember 2025, abgerufen am 21. Januar 2026 (englisch).