Widerrist

Der Widerrist ist der erhöhte Übergang vom Hals zum Rücken bei Vierbeinern (Säugetieren). Er wird von den langen Dornfortsätzen der ersten Brustwirbel gebildet, an denen auch das Nackenband entspringt. Unter und über dem Nackenband sind bei Equiden Schleimbeutel (Widerrist- und Genickschleimbeutel) ausgebildet.[1]
Entsprechend wird mit der Widerristhöhe die eigentliche Größe eines Pferdes oder Hundes angegeben, weil der Widerrist bei gesenktem Kopf den höchsten Punkt des Körpers darstellt und sich damit als Messstelle eignet. Sie wird üblicherweise mit dem Bandmaß oder einem Stockmaß ermittelt. Das gilt jedoch nicht für das Rind: Bei ihm wird üblicherweise die Kreuzbeinhöhe als relevantes Maß der Körpergröße angegeben. Bei einigen Pferderassen wie Vollblütern ist der Übergang des Halses zum Widerrist durch eine deutliche Vertiefung erkennbar; diese wird als Axthieb bezeichnet.[2]
Stockmaß
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Körpergröße wird als ein Kriterium zur Rassezucht herangezogen,[3] zu der nur angekörte männliche und weibliche Tiere verwendet werden dürfen. Diese gekörten Tiere dürfen eine bestimmte Widerristhöhe, auch als Kör- oder Stockmaß benannt, nicht über- bzw. unterschreiten. Die zur Körung erforderliche Widerristhöhe wird von den jeweiligen Rasseverbänden festgelegt und als Zuchtstandard veröffentlicht. Bei der Körung (Zuchtprüfung) überprüft die Prüfungskommission, ob die Widerristhöhe des Tieres den Zuchtstandards entspricht. Die Widerristhöhe wird als Kriterium zur Erlaubnis (Ankörung) oder Ablehnung (Abkörung) der Zuchtverwendung herangezogen. Die individuelle Widerristhöhe zur Zucht zugelassener Tiere wird in Zuchtbüchern und tiereigenen Zuchtpapieren der jeweiligen Rasseverbände eingetragen und verwaltet.
Das größte bei Pferden bisher gemessene Stockmaß sind 2,19 Meter bei einem Shire Horse.
Die entsprechende Größe für Pferde wurde bereits im alten Ägypten benutzt. Als Einheit diente die Hand – was selbst heute noch in Großbritannien für Pferde in der Größe von 10,16 cm teils gängig ist.[4] Was in Deutschland als Handbreit eher nur noch begrenzt bekannt ist, wird in Österreich durchaus in der Fachwelt als „Faust“ bemüht.
Bedeutung bei Wildtieren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Widerrist ist bei zahlreichen Wildtieren stark ausgeprägt und ein wichtiger anatomischer Bezugspunkt. Besonders relevant bei größeren Säugetieren wie Rehen, Hirschen, Antilopen, Wölfen und Bären wird er durch die verlängerten Dornfortsätze der vorderen Brustwirbel gebildet und dient als Ansatzstelle für kräftige Nacken- und Rückenmuskulatur.
Bei vielen Wildtieren ist der Widerrist bei gesenkter Kopfhaltung der höchste Punkt des Körpers. Er beeinflusst maßgeblich die Körperhaltung, die Bewegungsökonomie und die Kraftübertragung beim Laufen, Springen und Kämpfen. In der Wildtierbiologie und Jagdkunde dient der Widerrist als Orientierungspunkt zur Beurteilung der Körpergröße, der Proportionen sowie des Ernährungs- und Konditionszustandes eines Tieres.
Bei geschlechtsdimorphen Arten liefert die Ausprägung des Widerrists außerdem Hinweise auf Geschlecht, Alter oder Rangstellung, beispielsweise bei Hirschen während der Brunft und bei sozial lebenden Raubtieren wie dem Wolf.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Olof Dietz, Bernhard Huskamp (Hrsg.): Handbuch Pferdepraxis. 3. Auflage. Enke Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8304-1028-7.
- Friedrich Günther, Karl Günther: Die Beurtheilungslehre des Pferdes bezüglich dessen Dienst-, Zucht- und Handelswerthes. Hahn’sche Buchhandlung, Hannover 1859.
- Erwin Zschokke: Anleitung zur Kenntnis und Gesundheitspflege des Pferdes. Epubli GmbH, Berlin 2012, Reprint des Buches von 1885, ISBN 978-3-8442-4358-1.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Mehr als ein Höcker: Der Widerrist beim Pferd (abgerufen am 19. Februar 2016)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Karolin Leszinski: Zehn Fakten zum Widerrist – Das müssen Sie über den Widerrist wissen. In: Reiter Revue International, 15. Juni 2018. Auf ReiterRevue.de, abgerufen am 28. Oktober 2020.
- ↑ Der Axthieb: Exterieurmängel oder Spiegelbild der Ausbildung? ( vom 7. November 2013 im Internet Archive)
- ↑ Einteilung der Pferderassen. In: Ulrike Amler: Alles über Pferde : Haltung, Reiten, Rassen. Kosmos, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-440-50206-8, S. 38–39.
- ↑ How Horse Height Is Measured. In: Horse.com. Abgerufen am 2. Januar 2026.