Feinanteil https://feinanteil.com Kurzprosa und andere Banalitäten Wed, 18 Feb 2026 09:03:27 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.1 https://i0.wp.com/feinanteil.com/wp-content/uploads/2024/12/f.png?fit=32%2C32&ssl=1 Feinanteil https://feinanteil.com 32 32 240111341 18.Februar 2026 – ein Tattoo, Blinklichter, sonstiger Stand https://feinanteil.com/18-februar-2026-ein-tattoo-blinklichter-sonstiger-stand/ https://feinanteil.com/18-februar-2026-ein-tattoo-blinklichter-sonstiger-stand/#respond Wed, 18 Feb 2026 09:03:25 +0000 https://feinanteil.com/?p=1518 Weiterlesen]]>

In der ersten Hälfte der Winterferien haben wir eine Praxis für die eigentliche Eröffnung fertig eingerichtet. In der zweiten Hälfte der Winterferien waren wir in Berlin. Damit man nochmal rauskommt, bevor es richtig losgeht. Wir mieteten uns in Friedrichshain ein kleines hippes Hotelzimmer mit Frühstück für die ganze Familie. Wenn wir in Berlin sind versuchen wir uns immer an einem neuen Stadtteil, um das Flair dort möglichst direkt zu kosten. Die Unterschiede sind bislang kleiner, als man denkt. Was uns dieses Mal z.B. sofort auffällt: in Friedrichshain, aber auch im Rest von Berlin wird flächendeckend gegen die Räum- und Streupflicht auf Gehwegen verstoßen. Man stapft durch einen Mulm aus Schnee und Sand. Eventstapfen, so als wäre man in der Sahara und der Antarktis zugleich. So lustig das zunächst ist, weite Strecken sind auf diese Art und Weise zu Fuß in Familie nicht möglich. Einige Berliner haben sich sogar eine Art Schneeketten für Schuhe gekauft.
Der erste Abend führt uns so nur zur relativ nahen East-Side-Galerie bummelnd, wo wir Graffitae fotografieren und gucken, wie die anderen Touristen gucken und danach in ein Hot-Pot-Restaurant. Seit China-Town in London wissen wir, dass es immer ein gutes Zeichen ist, wenn ein asiatisches Restaurant voller asiatischer Kundschaft ist. So war es auch hier. So mit am meisten beneide ich Großstädter ja um ihre gastronomische Vielfalt und Qualität.
Zwei Augustiner aus dem Späti später sind wir alle im Bett.

Am nächsten Vormittag trennt sich die Familie. Der weibliche Teil will in Second-Hand-Läden shoppen und ich hatte einen Termin in Neukölln bei einem brasilianischen Tattookünstler. Das war nämlich eine Erfahrung, die ich in meinem Leben immer mal wieder machen wollte. Tätowiert werden. Erst fand ich aber kein Motiv bzw. war da immer picky bis zum Verwurf, dann war ich zu geizig oder wusste nicht, wie man gut zu einem Könner seiner Kunst kommt. Im vergangenen Jahr zündete die Idee im Bauhaus-Museum Dessau neu. Wie wäre es sich was komplett Abstraktes, vollgeladen mit Bedeutung, die nur ich dechiffrieren kann, tätowieren zu lassen, dachte ich dort so beim mir. Die Ideen dafür flossen nur so aus mir raus und so musste das nun endlich Tatsache werden. Meine leibliche Hülle ist im Verfall befindlich, ich habe das Geld. Es gibt nicht mehr viel Restzeit zur Reue.
Ich begann also eine umfassende Instagram-Recherche und fand in Berlin eine lettische Künstlerin, deren Stil dem Nahe kam, was ich mir so vorstellte. Der nette Austausch, den wir daraufhin hatten, führte aber irgendwie nicht zu einem Ergebnis, das ich mir auf der Haut vorstellen konnte, also brach ich das ab und sie behielt das Geld, das ich für den Entwurf bezahlen musste. Über ihr Profil fand ich allerdings einen anderen Künstler aus Brasilien und heraus, dass der ein Gastspiel in Berlin geben wollte. Also nahm ich dort Kontakt auf, schilderte meine Idee und er war gleich Feuer und Flamme, schließlich kam er auch nach Deutschland, weil er ein großer Bauhaus-Fan ist. Aus meiner ursprünglich eher spartanischen, puristischen Grundidee wurde ein dynamischer, sehr schöner, persönlicher und grafischer Entwurf und daraus ein Appointment für ebenjenen Freitag in den Winterferien.

Ich parkte extra zeitig etwas fern der Anschrift, um auch hier noch etwas Gegend zu Fuß mitzubekommen. Querte die „Sonnenallee“, kaufte mir ein paar Snacks und war dann da. Von Instagram wusste ich, dass das ein großer Laden mit vielen unterschiedlichen Künstlern war. Ich wurde von einem stark tätowiertem Empfangmenschen begrüßt und bald darauf von Thomaz abgeholt. Wir hatten ziemlich schnell eine Wellenlänge und trotz beiderseitig eher mittelgutem Englisch einiges zu reden. Das Studio selbst muss mal eine Art Werkstatt oder kleine Fabrik gewesen sein. Überall gab es kleine Nischen mit je ein bis drei Tattoo-Pritschen. Das Umfeld jeder dieser Liegen war von den Liegenbetreibern mit sehr schönen Bildern, Skateboards, Surfbrettern, Büchern und Kunstgegenständen aller Art dekoriert worden… in der Regel selbst be- oder gemalt. Das war ein bißchen, als ginge man durch eine kleine Indie-Galerie. Sehr interessant, denn es gab nicht nur Tattoo-Kunst zu sehen, wie man vielleicht vermuten würde. Von Thomaz erfuhr ich später, dass die meisten Tattoo-Künstler eher Künstler als Tätowierer sind, aber reine Kunst eben oft brotlos ist. Gemessen an meinen Eindrücken des Tages sind Tattoo-Künstler vor allem superliebe Menschen. In meiner direkten Nachbarschaft tätowierte eine Polin, die augenscheinlich ein Ernährungsproblem hatte und über sehr kunstvoll tätowierten, dünnen blassen Hals verfügte, ihre Klientin unheimlich mitfühlend mit einem fotorealistischen, in Herbstfarben gehaltenem Blumenbouquet. Es gingen im Laufe der Zeit viele Mitarbeiter an meiner Liege vorbei und hatten immer nur nette Worte für mich, meinen Tätowierer und dessen exakte Arbeit übrig. Das war schön. Es ist wohl was dran an der therapeutischen Wirkung von Tattoos.

Für mich war das ja nun die erste Tattoobegegnung überhaupt. Ich hatte mir die Schmerzen vorher unheimlich schlimm vorgestellt. Waren sie dann aber nicht. Waren nur Schmerzen. Mal war es, als wird man in Zeitlupe von einer Katze gekratzt, mal brannte es und manchmal war es wie eine sehr punktuelle „Brennnessel“, die man verabreicht bekommt. Das Ausmalen der farbigen Bereiche war eigentlich am unangenehmsten, was das betrifft. Andererseits liegt man da aber auch auf einer ziemlich unbequemen Pritsche fast sechs Stunden lang recht regungslos auf ein- und derselben Stelle. Das war sehr unangenehm und sorgte für schmerzende Druckstellen an der linken Körperseite, auch wenn es ab und zu Pausen gab. Bei zwei Pausen täuschte ich Harndrang vor, nur um auf dem Klo mal ordentlich pupsen zu können. Das waren die befreiensten Pupse der vergangenen Jahre, denn sie waren redlich über einen längeren Zeitraum angesammelt.
Wir redeten im Laufe der Stundne viel über Brasilien und Europa, lohnende Ziele in Deutschland, den Schnee, antike Philosophie und persönliches Leben, Thomaz beschwerte sich hin und wieder über meine empfindliche Haut, deren Anschwellen oft nicht gut erkennen ließ, ob seine Linien schon exakt genug waren. So wurde es dunkel und ich zum letzten Kunden für heute. Ich bewunderte das Werk im Spiegel und wusste gleich, dass ich dieses Tattoo immer mögen würde. Wegen seiner Entstehung und der Geschichte, die damit verknüpft ist, aber auch wegen dem Tattoo selbst. Der Optik. Ich mag Dinge, die stark interpretierbar sind. Weil Thomaz wegen meiner Haut Zeit dranhängen musste, gab ich ihm neben der Bezahlung noch ein Trinkgeld. Wir wollen in Kontakt bleiben und vielleicht kann er ja in ein oder zwei Jahren Symetrie auf meinem Körper herstellen. Bis dahin trage ich einseitig so eine Art mit meinem Leben aufgeladenen Kandinsky.

Am Tag darauf und nach einer schlecht durchschlafenen Nacht (zu viele Eindrücke, Liegeschmerzen vom Tag und Angst ums suppende Tattoo) reisten wir noch zum Alexanderplatz und besuchten als Familie eine Erlebnisausstellung namens „Ikono“. Das war doch recht unterhaltsam.
Der Schnee taute und Berlin lag im Nebel. Am Brandenburger Tor demonstrierten 20.000 Exiliraner gegen die Mulahs, weswegen wir dort nicht nochmal der Töchter zuliebe hielten, sondern gleich nach Hause durchfuhren.

Am Montag darauf eröffnete Maria ihre Praxis so richtig und hat seitdem viel Neues zu tun und zu lernen und zu machen. Das führte dazu, dass auch am Abend und am Wochenende unser großer Esstisch und dessen Umgebung zum Büro wurde.
Wichtige Unterlagen lagen auf der Anrichte und der Kücheninsel in direkter Nachbarschaft zu Essen und Flüssigkeiten. Es nervte, wenn man das Zeug schnell beiseite räumen musste, um den Tisch decken zu können.
Den Zustand fand ich auf Dauer unhaltbar und fasste den Plan, meinen Schreibtisch in der Diele zugunsten von Maria zu räumen und mir im Schlafzimmer eine kleine (Home-)Officeecke einzurichten. Den Plan hatte ich schon länger, denn in dieser Ecke ist, im Gegensatz zur Diele, ein echter Rückzug möglich.
Leider hat diese Ecke das Problem, dass sie sich in einem Haus aus dem 19.Jahrhundert mit leicht eingehangener Holzbalkendecke befindet. Schräge Böden, auch nur eicht schräge, führen aber zu Verspannungen im Nacken, wie ich feststellen musste, als ich hier ein paar Tage zur Probe saß.
Da mir zu einem kompletten Bodenausgleich Lust, Statik und Geld fehlte, baute ich stattdessen ein Podest aus OSB-Platte mit nivelierbaren Möbelfüßen drunter und einem Teppichrest aus dem Repomarkt bespannt obendrauf. Das ist nun meine 1,40×1,50m große Privatinsel im Haus, die immerhin dazu führte, dass dieser Text hier ohne externe Ablenkungen entstehen konnte.

Gleichzeitig brachte sie aber auch ein neues Problem ins Schlafzimmer. Die Anzahl leuchtender Status-LEDs im Schlafzimmer erreichte ein unerträgliches Maß. Monitor, Laptop-Ladegerät, Sonos-Lautsprecher, LAN-Switch nebst Netzteil, Festnetz-Mobilteil, Netzwerkfestplatte. Das alles leuchtete nun zusätzlich zur Fernseh-LED, die ich schon mit einem Stück GAFA-Band „gedimmt“ hatte. Zum Schlafen brauche ich nämlich absolute Ruhe und absolute Finsternis. Wie in einem Grab muss ich mich fühlen, um gut schlafen zu können.
Die Lösung dafür war aber einfach: alles, was nachts nicht leuchten darf, kam an eine Verteilerdose. So kann ich mit einem „Switch“ das Homeoffice ausschalten und den Familienvater einschalten.

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09.Januar 2026 – Neujahrsvorsätze https://feinanteil.com/09-januar-2026-neujahrsvorsaetze/ https://feinanteil.com/09-januar-2026-neujahrsvorsaetze/#comments Fri, 09 Jan 2026 09:24:07 +0000 https://feinanteil.com/09-januar-2026-neujahrsvorsaetze/ Weiterlesen]]>

Ich werde bis zum Ostersonntag keinen Alkohol trinken. Nicht, weil ich ein Problem mit übermäßigem Alkoholkonsum hätte, sondern weil ich testen möchte, was das mit mir macht. Bis jetzt fühlt es sich super an und klappt auch super.

Ich werde in diesem Jahr nicht rauchen. Das hat schon im vergangenen Jahr gut geklappt. Außer an Vergnügungen, die an zwei aufeinanderfolgenden Tagen stattfanden und mit Alkohol verbunden waren und außer in der Zeit ab Oktober, als ich anfing, mit Maria eine Selbstständigkeit vorzubereiten. Und außer in der Weihnachtszeit. Deswegen in diesem Jahr ohne jegliche Ausnahmen, nach denen man denkt „eine ab und zu schadet schon nicht“. Klappt bis jetzt super und fühlt sich gut an.

Ich werde in diesem Jahr täglich Journal führen. Nicht zwingend hier im Internet (obgleich ich es da auch vorhabe), aber auf alle Fälle so für mich zur Selbstreflektion. In vergangenen Jahren habe ich es in den stressigen Zeiten, also gerade dann, wenn die interessanten Dinge passieren, immer nicht geschafft. Das soll sich in diesem Jahr ändern, indem ich eine feste Routine mit festen Zeiten daraus mache. Was dann davon hier landet, steht auf einem anderen Blatt.

Schon lange unverrückbare Routinen geworden sind auf diese Weise: mit dem Rad auf Arbeit bzw. mindestens 2x pro Woche auf Arbeit laufen, vegetarisch-vegane Ernährung, Verzicht auf Dienste von Musk, Verzicht auf Dienste von Zuckerberg (außer Whatsapp), Öffis > Auto > Flugzeug.

Weitere lose Ziele für dieses Jahr:

  • 5-7 Kilo Gewicht verlieren (verdammte Weihnachtszeit, verdammtes Alter)
  • US-Internetdienste und Clouds durch was anderes ersetzen
  • Maria den Rücken freihalten, wann immer ihre Selbständigkeit das erfordert.
  • Erlebnisse > Anschaffungen

Die USA unter Trump sind und bleiben unsagbar.

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11.Dezember 2025 – Hyperfokus und ein Minekonzert https://feinanteil.com/11-dezember-2025-hyperfokus-und-ein-minekonzert/ https://feinanteil.com/11-dezember-2025-hyperfokus-und-ein-minekonzert/#respond Thu, 11 Dec 2025 09:55:03 +0000 https://feinanteil.com/?p=1498 Weiterlesen]]>

Die letzten Wochen habe ich im berufsbegleitetem Hyperfokus verbracht. Ich hatte eine Firma zu gründen, da derlei nicht der Maria Ding ist.
Also befand ich mich in einem Zustand des ständigen Nachdenkens darüber, wie verschiedene Zahnräder besser ineinandergreifen würden, welche Zahnräder man noch braucht und wo man die herbekommt und an welcher Stelle die dann wieder ins Getriebe passen. Es war ein einziges Zusammenpuzzeln und Verkabten und dann doch passen von Zahnrädern in meinem Kopf. Die größten Brocken sind gemeistert. Wenn alles gut läuft, (und das muss es, denn Deutschland ist über Weihnachten und Neujahr für geewöhnlich drei bis vier Wochen lang nicht ansprechbar) geht der Laden am 01. Februar auf. Wenn nicht, vielleicht einen Monat später. Ich muss schon sagen, dass mir das hat alles Spaß gemacht hat. Man hatte mit vielen neuen Leuten zu tun, sich mit vielen neuen Dingen zu beschäftigen und viel zu lernen. Auf den üblichen Dopaminblues im Februar kann ich mich also schon mal seelisch vorbereiten.


Stellvertretend für die vielen anderen Veranstaltungen, über die ich hier nicht geredet habe, möchte ich kurz das Konzert „Mine&Orchester“ loben, welches Maria und ich uns am 27.November im Haus Auensee in Leipzig angeschaut haben. Eigentlich wollten wir ja dort unsere Töchter mit hinnehmen, doch eine wurde krank und eine wollte nicht alleine mit. Verkauft kriegt man die Karten vor der Tür dann so kurzfristig auch nicht mehr, dafür ist das Auensee zu weit ab vom Schuss.
Das Auensee hat aber eine super Akustik, wie ich jedesmal aufs Neue finde, wenn ich mal wieder dort bin.
Das Konzert war sehr voll und sehr besonders. Die meiste Zeit standen um die 30 Leute auf der Bühne. Es gab Bläser, Streicher, Elektroniker, Backgroundchor und Sängerin und Akrobatik. Wir mögen Mine, ihre Texte und ihre genresprengende Musik.

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Mo., 03.November 2025 – Halloween, Nichtenspaß, Escaperoom https://feinanteil.com/mo-03-november-2025-halloween-nichtenspass-escaperoom/ https://feinanteil.com/mo-03-november-2025-halloween-nichtenspass-escaperoom/#respond Mon, 03 Nov 2025 12:44:40 +0000 https://feinanteil.com/?p=1482 Weiterlesen]]>

Das lange Wochenende war gut durchgeplant. In unserem Dorf gibt es eine Halloween-Tradition, die wohl schon bis in die DDR-Zeit zurück reicht. Da wohnten wir aber noch nicht hier. Damals war das wohl auch eine Art des Protests, diese westliche Tradition zu feiern. Gleichzeitig war diese Tradition für den Staat nicht problematisch genug, sie zu verbieten. So bereiten sich bis zum heutigen Tage viele Höfe im Dorf richtig groß auf Halloween vor. Es gibt ausufernde Dekobauwerke und Kinder werden freudig erwartet, um sie dann gepflegt zu erschrecken. Das braucht sich alles nicht vor den USA zu verstecken und macht Spaß, weil es nette Gespräche am Gartenzaun und auf dem Weg gibt, die gemeinschaftsbildend sind und man auch selbst ziemlich betrunken wieder zu Hause ankommt, wenn man mit seinen Kindern los zieht.
Wir schmissen auch eine Hofparty und zogen mit unseren Kindern rum. Die trafen dann aber Freunde und zogen mit denen alleine weiter. So waren es irgendwann nur noch sechs Erwachsene und zwei Kindergäste, die da rumzogen und weil man ständig Leute trifft, verlor auch ich irgendwann meine Reisegruppe und landete am Sportplatz auf der wohl größten Party im Dorf. Es gab Helles vom Fass, eine nette Physiotherapeutin hatte sich in ein hautenges Jokerkostüm gesteckt und überhaupt war es hier irgendwie lustig und schön. Irgendwann sah ich aber ein, dass ich mal wieder zur Familie schauen muss und brachte dort unsere Party mit ausreichend Restwürde über die Runden.

Da wir am nächsten Tag alle müde waren und besonders lange im Bett blieben, konnten wir gefühlt direkt nach dem Frühstück zu meinem Bruder nach Weimar fahren. Der Neffe hatte Geburtstag, die Ex meines Bruders und ihre Familie waren wieder in besonders guter Stimmung. Nur die Grundstimmung meines Bruders passte nicht dazu, aus verständlichen Gründen. Jedenfalls hielt ich mich aus Erwachsenengesprächen raus und bespaßte die Kinder. Meine vierjährige, sehr lustige Raketennichte fand da besonders viel Gefallen dran und wich mir nicht mehr von der Seite. Ich trug sie in allen Lagen, als Rucksack, als Handtasche und führte lustige Geheimgespräche mit ihr. Einmal, als ich sie gerade mal wieder Huckepack auf den Schultern trug, furzte sie mir herzhaft und mehrfach in den Nacken. Nachdem alle mit Lachen fertig waren, ließ ich sie zur Strafe kopfüber von der Decke hängen.
Zur Weimarer Schule gehört es auch, den Kindern keinerlei Feedback zu ihrem Verhalten zu geben. Vor allem nicht zu falschem. Das ist nicht ausschließlich gut… sage ich mal so. Es war ein sehr lauter Nachmittag, der Kopfschmerzen machte, aber mein Bruder war froh, dass wir da waren.

Auch dieser Tag führte dazu, dass wir am nächsten Morgen lange ausschliefen. Gefühlt direkt nach dem Frühstück fing ich an, die Geburtstagsgäste von Lisbeth einzusammeln. Dann fuhren wir nach Leipzig. Lisbeth hatte schon vor mehr als einem halben Jahr ihren zehnten Geburtstag, aber durch verschiedene Umstände konnten wir das mit ihren Freundinnen jetzt erst feiern. Es ging direkt ins Leipziger Zentrum zu einem Escape-Room. Thema: Zauberschule eines bebrillten Zauberers mit Narbe auf der Stirn. Schon auf der Hinfahrt merkte ich, dass die fünf Mädels eine gute Chemie und Teamdynamik haben. Sie beschäftigten sich gut selbst. In dem sehr schönen Raum setzte sich das dann fort. Die fünf stellten sich ziemlich clever an, brauchten wenige Tipps und hatten den Raum dann 9 Minuten vor der Zeit gelöst, obwohl noch keiner von denen Escape-Room-Erfahrung hatte. Es war wieder interessant, da zuzuschauen. Erst laufen alle wie die aufgescheuchten Hühner durcheinander, dann fangen sie an, sich zu organisieren, dann bekommt jeder feste Aufgaben und die Gruppe damit Struktur. Ein schönes Sozialexperiment. Zu Hause gab es dann noch Abendessen. Wir hatten noch die Freitagsdeko hängen und machten daher Halloween der Einfachheit halber zum Thema des Abendbrotes. Am Ende waren alle Kinder zufrieden, denke ich.

Heute hat Maria ihren Chefinnen erzählt, dass sie recht wahrscheinlich demnächst nicht mehr dort arbeitet. Sie nahmen es wohl professionell und auch mit Bedauern auf. Man wird sich trennen, wie es sein sollte … im Guten.


Die Siegesserie des MBC riss am Sonntag.

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Di., 28.Oktober 2025 – Geschäftigkeit und ein Lagerfeuer https://feinanteil.com/di-28-oktober-2025-geschaeftigkeit-und-ein-lagerfeuer/ https://feinanteil.com/di-28-oktober-2025-geschaeftigkeit-und-ein-lagerfeuer/#respond Tue, 28 Oct 2025 12:56:58 +0000 https://feinanteil.com/di-28-oktober-2025-geschaeftigkeit-und-ein-lagerfeuer/ Weiterlesen]]>

Die Tage bleiben geschäftig. Es werden Excel-Tabellen erstellt. Darin Pläne, stetig wachsende ToDo-Listen und Kalkulationen. Es werden Briefe vorbereitet und Kontakte aufgenommen. Es ist eine spannende Zeit und das wird auch erstmal so bleiben. Ich mag die Lebendigkeit, die dadurch entsteht. Die Wachheit und das Nachdenken. Das Ordnen und Sortieren der Gedanken.

Trotzdem haben wir noch Töchter, also Familie. Das ist auch eine große Ungewissheit in der Kalkulation. Können wir das vereinbaren? Passt das alles zusammen? Vieles zeigt sich erst, wenn man es tut. Aber zumindest ich bin da flexibel und Realist. Das macht mich optimistisch.

Am Sonntag jedenfalls machten wir, zur Beendigung der Ferien, ein kleines Lagerfeuer mit den Töchtern. Hannah hatte darauf mal so garkeinen Bock und lag nur gelangweilt und desinteressiert im Gras, Blick Richtung Himmel. Mein kleiner Astbruchhhaufen wurde in der Feuerschale zu Asche und Marshmallows zu karamelisierter Masse zwischen zwei Keksscheiben. Maria und ich tranken einen White Russian auf die ersten Schritte, ich dann später noch ein Bier.
Als das Feuer nur noch Glut war, warf ich den Rest der Zigaretten, die ich mir in Prag gekauft hatte, dort hinein. Durch verschiedene Feiern, den Dartclub und die Aufregung hatte sich das Rauchen in den letzten Wochen wieder etwas zu markant in mein Leben geschlichen, was natürlich Quatsch ist. Das war schleunigst zu beenden, bevor wieder eine lästige Gewohnheit draus wird.
Als sie vollständig verbrannt waren, ging auch ich rein.
Der MBC bleibt einziges ungeschlagenes Team der BBL.

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Fr. 24.Oktober 2025 – Verschnitt, wichtige Post, Planetarium https://feinanteil.com/fr-24-oktober-2025-verschnitt-wichtige-post-planetarium/ https://feinanteil.com/fr-24-oktober-2025-verschnitt-wichtige-post-planetarium/#respond Sat, 25 Oct 2025 08:53:05 +0000 https://feinanteil.com/?p=1468 Weiterlesen]]>

Die Heimkehr aus Prag riss einen ziemlich schnell wieder in den Alltag zurück. Wie ausgemacht und versprochen verbrachte ich die ersten beiden Tage mit Gartenpflege, was erstmal hieß, den Wildwuchs, der sich in unserem doch recht großen Grundstück jedes Jahr aufs Neue bildet, massiv zurückzuschneiden. Außerdem vergriff ich mich an unseren Obstbäumen und schnitt sie so, wie ich dachte, dass man Bäume schneiden muss, damit sie mehr in die Breite als in die Höhe wachsen und damit einigermaßen in Pflückhöhe bleiben. Ich habe davon keine Ahnung, aber bis jetzt bekommen die Bäume in jedem Frühjahr neue Blätter und tragen Früchte aus. Am Pflaumenbaum fiel mir dabei ein Ast ins Auge, naja besser unters Auge, und hinterließ dort einen kleinen unschönen Cut. Danach hatte ich eigentlich keine Lust mehr, schnitt aber noch so einige enge Durchgänge in Rasenmäherbreite und meiner Kopfhöhe frei. Es nervt mich immer, beim Rasenmähen durch Äste kriechen zu müssen.

Als wir nach Prag den Briefkasten aufmachten, wartete einige wichtige Post auf uns, die zwar in Summe erfreulich war, uns aber auch vor einige als schwer bzw. erst im Nachhinein als „richtig“ oder „falsch“ zu bezeichnende Entscheidungen stellte.
Egal, wie wir uns entscheiden, werden die nächsten Wochen und Monate ereignis- und arbeitsreich werden, denn am Ende soll eine Selbständigkeit von Maria stehen. Ich freu mich da drauf, denn ich werde sie einerseits unterstützen können und andererseits auch selbst viel Neues auf dem Weg dorthin lernen. Heute schauten wir schon mal mögliche Geschäftsräume an und hatten gleich einen Glückstreffer dabei, wie es aussieht. Läuft bis hierhin…

Heute wurden wir von Annes Mutter gefragt, ob wir mit ins Planetarium nach Halle kommen wollen. Anne ist eine Freundin von Lisbeth und wir wollten, denn wir haben ja trotz aller Aufregung auch noch einen Erziehungsauftrag.
Wir fuhren dann auch selbst und sammelten die beiden mit ein. Es ging in der Show um Polarlichter. Das sah nicht nur gut aus in der Planetariumskuppel, sondern war auch sehr lehrreich. Eine leichte Nackenstarre gab es für lau ebenso dazu, wie einen virtuellen Blick in den heutigen Abendhimmel.
Das fand ich sehr sehr schön gemacht und war auch noch deutlich günstiger als ein Kinobesuch. Ich kann einen Planetariumsbesuch Eltern mit Kindern daher nur wärmstens empfehlen.
Im Anschluss gab es Burger bei „Hans im Glück“, ich wurde zu Hause von meinem Hausarzt versetzt und baute stattdessen Teile an mein Motorrad, das ich leider auch bald schon wieder einwintern muss.

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Mo.,Die., 20./21.Oktober 2025 – Der dritte Tag in Prag und Heimreise https://feinanteil.com/mo-die-20-21-oktober-2025-der-dritte-tag-in-prag-und-heimreise/ https://feinanteil.com/mo-die-20-21-oktober-2025-der-dritte-tag-in-prag-und-heimreise/#comments Tue, 21 Oct 2025 18:38:05 +0000 https://feinanteil.com/?p=1432 Weiterlesen]]>

Die Rezeption unseres Hotels überschüttete uns mit weiteren Wiedergutmachungen. Als wir Sonntagabend im Zimmer ankamen, warteten zwei neue Flaschen Wein auf uns, ohne das wir die alten angerührt hätten. Dazu stand ein großer Teller frisch aufgeschnittenes Obst unter Folie auf dem Tisch. Am Montag dasselbe Schauspiel, plus ein handgeschriebenes Kärtchen und eine Papiertüte mit einem 50,-€-Rabattgutschein für den nächsten Aufenthalt, einen Prag-Kühlschrank-Magneten und ähnliche Gimmicks.
Das war, als wir kurz zum Ausruhen für eine Stunde im Hotel kamen. Ich war kurz davor, runterzugehen und darum zu flehen, dass wir doch jetzt endlich quit sind. Wie auch immer, Hotel Merkur in Prag. Offensichtlich ausschließlich von sehr jungen, sehr netten Menschen am Laufen gehalten. Kann ich empfehlen. Liegt günstig, ist preislich okay, hat einen eigenen Parkplatz. Könnte mir vorstellen, dass wir den Gutschein in diesem Hotel einlösen. Doch gut nun.

Nach spätem Frühstück wollen wir heute eigentlich nur auf die Burg. Dazu nutzen wir erstmals den ÖPNV. 40 Minuten kosten den Erwachsenen umgerechnet ungefähr 1,60€, Kinder zahlen nix. Wir sollen zuerst in einen Bus, der sehr klein ist. Direkt nach dem Setzen werden wir von einem Fahrkartenkontrolleur angesprochen. Wie sich herausstellt, befinden sich in dem engen Bus zwei Kontrolleure und zwölf Fahrgäste. Aber egal, ich hatte zwei Karten in der App. Irgendwo geht es dann mit Straßenbahn weiter und wir steigen vor dem Tor der Burg aus. Dort ist gerade Wachablösung und es hat sich eine Menschentraube gesammelt, die das filmt. Da war ich dabei.
Als das überstanden war, bahnen wir uns den Weg durch Schulklassen aus aller Herren Länder und andere Menschentrauben mit schlechtem Gefühl für Zeit und Raum. Wir erfahren, dass unsere Prague-Card nicht für die Eintrittskarte gilt, die wir uns heute kaufen wollen, aber 35,-€ für die Familie sind trotzdem ein fairer Tarif. Zuerst zieht es uns in den Veitsdom, dass imposanteste Gebäude im größten geschlossenen Burgkomplex der Welt. Prachtvoll ausgestattet ist auch er ein gutes Beispiel dafür, dass das beste Kunsthandwerk auch in vergangenen Epochen immer dort zu finden war, wo das Geld steckte… also in Palästen und Kirchenbauten.
Ich kann das durchaus beeindruckend finden, obgleich ich keinem Glauben anhänge. Heute fing ich jedoch recht schnell an, langsam genervt zu sein. Im Mittelschiff wurde gebaut und so schlängelte sich eine ständig stockende Menschenschlange von Eingang zu Ausgang um das Mittelschiff herum. Stehenbleiben, innehalten oder gar die Ruhe der Kirche genießen, war hier keine Option.
Als wir vom Sog der Massen vorangeschoben hinten am Ausgang wieder rausfielen, hatte ich eigentlich schon keine Lust mehr. Das wiederholte sich dann in ähnlicher Form in der Basilika aus dem 10.Jahrhundert. Zu Beginn des Goldenen Gäßchens gingen wir dann in eine Ausstellung von Ritterrüstungen. Dort spürte ich dann irgendwann Hitze in mir aufsteigen und musste irgendwann raus. Die Prager Burg ist für alle, die gerne in winzigen Trippelschritten durch zu enge und niedrige Gänge halb Europa hinterherlaufen jedenfalls ein perfekter Ort. Für mich ist sowas jedoch Folter. Ich wollte eigentlich nur noch draußen und dann auch nur noch an Orten sein, in denen ich Platz hatte. Die goldene Gasse ist dafür nur bedingt geeignet, aber als Gebäudeensemble wenigstens einigermaßen possierlich. In der Nummer 22 wohnte kurz mal Kafka.
Meiner Familie war nun nach Pause zumute, weswegen sie eines der vielen Cafes ansteuerten. Ich steuerte in der Zwischenzeit den Aussichtsturm des Veitsdoms an und fand Königspalast und Vorplatz. Dort war Platz und dort sah man die schönere Seite des Doms.
Der Aufstieg zur Aussichtplattform kostete mich weitere 8,-€ und eine mittelschwere Übersäuerung der Wadenmuskulatur. Ich glaube, so viele Treppenstufen mit ungünstigem Schrittmaß bin ich noch nie hochgelaufen. Oben hatte ich einen Drehwurm und leichten Kreislauf. Hier kommt jetzt die Stelle, wo ich schreibe, dass die Aussicht dafür aber allemal entschädigt hat… und das hat sie wirklich. Prag ist auch von oben schön.

Im Anschluss holte ich meine Familie aus dem Cafe und zeigte ihnen den Palastvorplatz. In den Palast wollten wir eigentlich auch rein, aber aufgrund umfangreicher Baumaßnahmen konnten wir nur so eine Art riesigen gotischen Vladislavsaal besichtigen. Schade, aber eigentlich auch nicht schlimm. Die Töchter wurden langsam ningeliger als ich. So machten wir uns langsam auf den Weg ins Tal, ließen noch etwas Geld bei einem Imbiss und setzten uns in eine kleine Parkanlage.

Dort entschlossen wir uns dazu, mit der Straßenbahnlinie 22 eine kleine Stadtrundfahrt zu machen. Das hatte das Internet empfohlen, da diese Linie wohl an den meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei kommt. Wir fuhren also los und fingen nach zehn Minuten an, uns zu wundern, wie wenig Sehenswürdigkeiten man dann doch sieht. Nach fünfzehn bis zwanzig Minuten fing uns an zu dämmern, dass wir vermutlich in die falsche Richtung gefahren sind. Auch nach dreißig Minuten gingen wir immer noch davon aus, dass das ja eine Ringbahn sein müsse und sie irgendwann schon wieder in die Innenstadt fahren würde. Wir blieben stur sitzen. Die Outskirts von Prag wurden immer grauer und je weiter wir vom Zentrum wegfuhren, umso weniger Anzüge und Kleidchen trugen die Mitfahrer im Schnitt und umso mehr Härte und gelebtes Leben war in den Gesichtern. In den öffentlichen Verkehrsmitteln lernt man die Menschen einer Stadt am besten kennen. Uns half das aber alles nicht weiter. Wir kamen irgendwann an der Endstation an, wurden vom Zugführer gebeten, auszusteigen und stiegen in eine neue Bahn, die in die Gegenrichtung fuhr. Nach Sightseeing war aber nicht mehr zumute, als kürzten wir das mit einem Umstieg ab und fuhren direkt vor unser Hotel.
Insgesamt lief das alles eher durchwachsen heute.

Das konnte dann nur der Abend retten und das tat er auch. Wir suchten via Google ein koreanisches Restaurant aus, das ein echter Glücksgriff war. Im Gastraum saß ein hoher Anteil Gäste mit asiatischen Gesichtern und seit London wissen wir, dass das immer ein gutes Zeichen ist. Der Service war erstklassig und das Essen hat unserem kontinental-kulinarischen Begriff „asiatisch“ nochmal eine völlig neue Nuance hinzugefügt. Das war gut. Im Anschluss wollten wir uns würdig von der Innenstadt verabschieden und bummelten dort noch ein bißchen lang. Abends verändert sich Prag und man trifft fast nur noch Leute, die auf Unterhaltung aus sind. Lisbeth fand in einem Souvenirshop eine kastenförmige Katze, die mit Hilfe von Meta AI „Oreo“ tauften.
Es gab schicke angestrahlte Gebäude, Straßenmusik und auf einem großen Platz auch eine Tänzerin. Wir alberten mit den Töchtern rum, ließen uns Zeit und hatten am Ende den Touristenoverkill vom Vormittag schon fast wieder vergessen. So konnten wir den Kurztrip enden lassen.


Eine gut durchschlafene Nacht und ein gutes Frühstück später waren wir bereit für den Heimweg. Der lief, abgesehen von einem halbstündigen Stau an der Grenze, ereignislos ab. Am Wegesrand fielen links und rechts die Blätter. Als Fazit bleibt, dass wir Prag mögen und sicher mal wiederkommen. Weniger wegen der touristischen Ziele, aber gerne, wegen dem Flair der Stadt. Es werden sich problemlos interessante Ziele finden lassen, die einen nicht ganz so überfordern.

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So., 19.Oktober 2025 – Der zweite Tag in Prag https://feinanteil.com/__trashed/ https://feinanteil.com/__trashed/#comments Mon, 20 Oct 2025 08:57:47 +0000 https://feinanteil.com/?p=1385 Weiterlesen]]>

Der Tag beginnt mit einem wirklich tollen Frühstück im Hotel Merkur. Nach dem Frühstück steht der Umzug in unser richtiges Zimmer an. Der junge Mann, der mir die Mitteilung an den Tisch bringt, an dem ich gerade die gestrigen Memoiren schreibe, dass unser Zimmer nun bereit wäre, verquatscht sich ziemlich fatal. Die Leute hätten schon ausgecheckt und unser Zimmer wäre jetzt gereinigt. Das passt nicht so richtig zu der Geschichte vom kaputten Rohr, sondern eher zu einer Doppelbuchung. In dem Moment, wo er es sagt, friert ihm deswegen auch kurz das Gesicht ein. Das sehr junge Personal ist fortan noch freundlicher, als am Vortag. Es ist nun schon fast unerträglich. Das neue Zimmer ist viel schöner und moderner, andererseits sind die Matratzen der Betten deutlich unbequemer, als in unserem „Notlager“. Ich weiß daher nicht, welches Zimmer ich nun besser fand.

Wir kommen durch die ganzen Umstände recht spät aus unserem Hotel. Das erste Ziel, welches wir ansteuern, ist das „Museum der phantastischen Illusionen“. Man muss die Töchter ja auch ein wenig bei Laune halten, dieses Museum verspricht, dies leisten zu können und hält dieses Versprechen auch. Optische Täuschungen wechseln sich ab mit Bildern, in die man sich einbauen kann und frühen Apparaten, die die Trägheit des menschlichen Auges nutzen. Laterna Magica usw. Da haben wir eine gute Stunde verbracht und viele Fotos geschossen.

Auf dem Weg dorthin fielen mir, wie schon am Vortag, einige Hausfassaden und Inneneinrichtungen von Cafes und Restaurants auf. Ich Google und lerne Dinge über den tschechischen Kubismus, eine lokale Sonderform des Kubismus. Mich erinnerte das sehr an Jugendstil oder Art Nouveau. Ich habe aber auch keine Ahnung, aber auf alle Fälle mag ich diesen Stil sehr.

Wir liefen vom Museum weg zu unserem nächsten Ziel, trafen aber zunächst auf eine „Cinnamood“-Filiale, die es (selbstverständlich) auch hier gibt und die meine Familie (selbstverständlich) nicht unbesucht hinter sich lassen kann. Ich warte, wie so oft, geduldig vor dem Geschäft. Unweit der Cinnamood-Filiale finden wir den rotierenden Kafka-Kopf, ein Kunstwerk von David Černý. Während ich drauf warte, dass der endlich rotiert, ist meine Familie Zimtschnecken.

Der weitere Weg führt uns dann wieder auf die Karslbrücke. Die ist etwas leerer als am Vortag, aber immer noch voll genug. Straßenmusiker sorgen für gute Stimmung, Maria wird von einer Ohrringverkäuferin derart mit Schleim überzogen, dass sie kaum anders kann, als schon wieder Ohrringe zu kaufen, dann können wir endlich weiter.
Unweit der Brücke finden wir zufällig die mit 70cm Breite schmalste Gasse der Welt und nutzen die dortige Ampelregelung um je einmal runter- und wieder hochzulaufen.

Dann kommen wir zu einem Ziel, auf das ich mich besonders gefreut habe. Das Kafka-Museum. Maria bleibt mit den Töchtern freiwillig vor der Tür, um einen kleinen Snack zu essen, was zu trinken und sich in der Sonne von den doch recht langen Laufwegen zu erholen. Ich geh also alleine rein.
Wie wohl jeder gute sensible Jugendliche, der Probleme mit der Zugehörigkeit in dieser Welt hat und seine Umwelt hauptsächlich als absurd erlebt, war auch ich sehr stark an Kafkas Werk interessiert. So richtig verstanden habe ich ihn allerdings erst, als ich nach Schule, Ausbildung und Studium anfing, im Büro zu arbeiten. Das Grundgefühl der Jugend verlässt einen wohl nicht so leicht, sondern wird nur immer wieder bestätigt. Mit dem Alter schafft man es bestenfalls, ein wenig ironischen Abstand und anderweitigen Umgang damit zu entwickeln.
Die Ausstellung im Museum selbst wird Auto und Werk sehr gut gerecht, würde ich sagen. Sie ist allerdings sehr textlastig und mit vielen papiernen Schaustücken versehen. Von daher ist sie Familien mit Kindern nicht wirklich zu empfehlen. Es wird sowohl eingegangen auf das Aufwachsen des kleinen Franz im historischen Prag und im Spannungsfeld seiner Familie, als auch auf die Zerissenheit Kafkas in der Auseinandersetzung mit sich selbst und seinem Werk. Auch sein beschönigend als schwierig zu bezeichnendes Verhältnis zu seinen Frauenbeziehungen wird natürlich thematisiert. Die Schaukästen sind im Kontext der jeweiligen Werke gestaltet und werden von einigen Installationen und Videoschaustücken aufgelockert. Mir hat es gefallen.

Als ich nach Besuch des Museums bei meiner Familie am Tisch eintreffe, bestelle ich mir erstmal ein großes Bier. Der Kellner teilt mir mit, dass ein großes Bier in seinem Lokal ein 0,4 Liter-Bier in Kombination mit einem „Becherovka“ sei und geht, ohne meine Reaktion abzuwarten wieder. Er kommt recht bald mit einem Bier und einem Schnaps wieder, sagt: »Becherovka kaputt!« und stellt mit ein Bier und einen Slivovitz hin. Kafkaes, aber auf eine gute Art.

Nach der langen Ausruhpause entschließen wir uns, über das laute Veto der Töchter hinweg, am Ufer der Moldau entlang mit einem kleinen Umweg zurück zum Hotel zu laufen. Das war schön. Wir trafen seltene und weniger seltene Enten, verrückte Taubenfrauen und schöne ruhige Passagen. Entlang der Mosel gab es in diesem Abschnitt auch viele Restaurant-, Disco- und Barboote, die dort angelegt hatten. Wären wir abends nicht immer so müde, wäre das was für die Abendgestaltung gewesen.

Zurück im Hotel verlieren wir etwas die Zeit. Maria und Lisbeth schlafen ein, wir anderen beiden lesen. So ist es schon nach sieben, als wir uns auf die Suche nach einem Abendessen begeben. Wir gehen etwas abseits der Innenstadt in ein Restaurant für asiatische Fusionsküche und haben damit sehr viel Glück. Sowohl geschmacklich, als auch preislich war das sehr sehr gut gelungen. Alles, was wir bestellten, war total gelungen.

Nach dem Essen liefen wir noch ein gutes Stück durch die Gegend. Das ist auch etwas, dass ich an solchen Kurztrips sehr genieße. Man hängt sehr eng und in einem total anderen, nicht alltäglichen Kontext mit seinen Töchtern zusammen. Dadurch kommt man zu ganz anderen, viel gelösteren Interaktionen und Gesprächen. Das bringt uns sehr viel enger zusammen, als es der Alltag je könnte.
Weil wir uns immer gut bewegt haben, geht dann aber auch immer beizeiten das letzte Licht aus im Familienzimmer.

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Sa. 18.Oktober 2025 – Der erste Tag in Prag https://feinanteil.com/sa-18-oktober-2025-der-erste-tag-in-prag/ https://feinanteil.com/sa-18-oktober-2025-der-erste-tag-in-prag/#respond Sun, 19 Oct 2025 08:26:46 +0000 https://feinanteil.com/?p=1359 Weiterlesen]]>

Wir haben keinen Stress an unserem ersten Urlaubstag. Wir frühstücken in Ruhe und gegen 9 fahren wir los. Nach vier bis fünf Kilometern fahren wir dann nochmal zurück, um einen Schal zu holen, dann fahren wir richtig los.
Die Sonne scheint, wir fahren durch herbstliche Landschaft mit bunten Blättern. An der tschechischen Grenze werden wir daran erinnert, dass es ja immer noch diese unsäglichen, populistischen Grenzkontrollen gibt, denn in der Gegenrichtung ist ein mehrere Kilometer langer Stau zu sehen. Wir werden auf dem Rückweg versuchen, uns Überland nach Deutschland durchzuschlagen. Ich kenne da eine schöne kurvige Strecke durchs Erzgebirge, wo vielleicht nicht so viele lang fahren, die nach Deutschland wollen.

Kurz nach Mittag kommen wir an unserem Hotel an. Zentrumsnah, mit eigenem Parkplatz und Frühstück. Die Rezeptionistin erklärt und mit entschuldigens-sorgenvoller Mine, dass es in unserem Zimmer einen technischen Defekt an der Wasserleitung gibt, der erst morgen behoben sein wird und wir für eine Nacht in einem einfacheren Zimmer untergebracht werden müssen. Als Gegenleistung können wir unseren gesamten Aufenthalt über das Tagesbüfett bis 21 Uhr kostenlos nutzen. Dort gibt es Snacks, Kuchen, Eis und alkoholische und alkoholfreie Getränke. Außerdem erhalten wir eine Prague-Card kostenlos, die uns Ermäßigungen in Museen, touristischen Fahrgeschäften und Restaurants verspricht. Damit können wir gut leben.
Das Zimmer ist dann tatsächlich im Backstage und sehr schlicht und steht voller Betten. Ich zähle sieben Stück auf engstem Raum, die sicherlich sonst eher als Personalunterkunft dienen. Für eine Nacht zum Schlafen geht das schon.

Nach einer kurzen Ausruhpause laufen wir in die Innenstadt, um uns einen Überblick zu verschaffen. Ich war 1996 auf einer Abschlussklassenfahrt das letzte Mal in Prag und habe praktisch keinerlei Erinnerung daran, außer denen, die ich mir aus Fotos und von Erzählungen anderer erschließen konnte. Von hohem Alkoholkonsum und den von Klassenkameraden in die Hotelwand geworfenen zuvor bei zwielichtigen Gestalten gekauften tschechischen Ninjasternen und Wurfmessern ist da die Rede. Es waren andere Zeiten…

Am Karlsplatz, den man in seiner Gesamtheit auch erstmal auf sich wirken lassen muss, hat sich vor dem Rathaus eine riesige Menschenmenge gebildet. Wir stellen uns dazu und starren wie alle anderen auf die astronomische Rathausuhr. Zur vollen Stunde schlägt dann ein Skelett die Glocke, zwei Türen gehen auf, es zeigen sich in diesen die zwölf Apostel, dann gehen die Türen wieder zu. Applaus. Für die Zeit, in der das entstand, schon beeindruckend, aber nun ja…

Weiter gehts zur Karlsbrücke. Die scheint von Weitem aus Menschen gebaut zu sein. Lebendigen Menschen. Auch beeindruckend. Die Sonne ist gerade am untergehen und alle suchen das perfekte Fotomotiv mit Moldau und Altstadt im Hintergrund. Wir laufen einmal rüber, streichen an einer der Figuren, warum auch immer, einem blank geputzem Hund über den Bauch. Dann laufen wir auf der anderen Seite zurück. Die Sonne ist nun schon fast weg, was dazu führt, dass es auch auf der Brücke leere wurde. Auf der anderen Brückenseite stehen die Portraitmaler und Schmuckhändler, was zwangsläufig dazu führt, dass Geld den Besitzer wechselt und Ohrringe in Marias Besitz wandern.

Es ist nach 18 Uhr und wir bekommen Hunger. Immer, wenn ich in Tschechien bin, esse ich traditionell, was für mich heißt: „Gulash mit Knedely und ein Pilsner Urquell vom Faß“. Da muss dann aus dem Vegetarier mit pesketarischen Tendenzen mal kurz ein Flexitarier werden. Es fällt uns aber wirklich nicht leicht, ein geeignetes Restaurant zu finden. Am Ende landen wir in der Restaurantkette „Swejk“, benannt nach dem braven Soldaten und werden dort sehr glücklich.
Anschließend laufen wir durchs nun schon nächtliche Prag zurück ins Hotel, holen uns dort Chips, Salzstangen, Erdnüsse, Bier, Wein und Limo vom Buffet und schauen auf dem Tablet zu, wie der MBC hochkant gegen Ulm aus dem Pokal fliegt.
So endet der erste Tag in Prag.

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Fr., 17.Oktober 2025 – Elektronische Musik, Laufen plus, eine kleine Städtereise https://feinanteil.com/fr-17-oktober-2025-elektronische-musik-laufen-plus-eine-kleine-staedtereise/ https://feinanteil.com/fr-17-oktober-2025-elektronische-musik-laufen-plus-eine-kleine-staedtereise/#comments Fri, 17 Oct 2025 12:06:00 +0000 https://feinanteil.com/?p=1354 Weiterlesen]]>

Das Laufen auf Arbeit und auch das Laufen zurück gefallen mir mittlerweile so gut, dass ich es diese Woche gleich dreimal statt der ursprünglich geplanten zweimal getan habe. Das zügige Lauftempo bringt mich morgens gut in Wallung und Abends gut runter.
Ganz grundsätzlich empfiehlt es sich ja immer, Dinge mit Dingen zu verbinden, die man sowieso tun muss.
In dem Fall: auf Arbeit kommen muss ich sowieso, also kann ich es auch mit sonst nicht stattfindender Bewegung verbinden. Das führt dann an drei Tagen pro Woche zu einem zusätzlichen Kalorienverbrauch von 400-500 Kalorien. Wenn man die Energieaufnahme gleich lässt oder gar etwas reduziert, nimmt man rund ein Kilo pro Woche ab (also ich, also bis jetzt). So könnte es sein, dass im Mai sogar meine allererste Motorradjacke wieder passt und die ist immerhin vollkommen regenfest, was in Schottland sicherlich angebracht sein würde.

Für die Schottlandreise gibt es seit Mittwoch einen Zeitraum, der dadurch festgezurrt wurde, dass wir Hin- und Rückfähre gebucht haben. So haben wir einen Rahmen gesteckt und uns eine Viererkabine zum Preis einer Zweierkabine sichern können. Einige Details wurden bei der Gelegenheit auch gleich besprochen. Ich bin mir immer sicherer, dass das schön wird.

Am Mittwoch im Homeoffice wurde mir bewusst, dass Ferien sind. Es war auch gut feststellbar, denn Lisbeth und Hannah hatten ihre Zwillingsfreunde zu Besuch. Weiterhin anwesend war der Patenhund Bruno und das ergab eine explosive Mischung, da letztgenannter an diesem Tag alterstechnisch und hormonell etwas anstrengend war. Er bellte sinnlos und sehr laut die Kinder an, ob es Grund gab oder nicht. Noch viel unangenehmer war aber, dass er Lisbeth heute „besonders lieb“ hatte und sich immer an ihr reiben wollte. Da half nur Trennung und sowieso stoische Gelassenheit.

Jedenfalls führen diese Ferien nun zu ein paar Tagen Urlaub und die werden wir mit einem langen Wochenende in der osteuropäischen Stadt Prag beginnen. Da war ich zuletzt im Jahr 1996 auf Klassenfahrt und bin nun schon gespannt, was sich in den vergangenen 30 Jahren dort getan hat.

Was mir gerade einfällt und auch noch an den langen Spaziergängen gefällt, ist die Musik, die ich dabei hören kann. Man kommt zu Hause nicht oft dazu, sich einfach mal eine Stunde mit Kopfhörern auf den Ohren in Ruhe hinzusetzen und einfach nur Musik zu hören. Ich hatte schon fast vergessen, wie wunderschön es sein kann, mit guten Kopfhörern, also so richtig in Stereo und mit Raumklang und ausgewogenen Höhen, Mitten und Tiefen Musik zu hören. Das genieße ich sehr und habe dabei gleich so einen elektronische Musikspleen entwickelt, weil dort die Sounds am räumlichsten und beeindruckendsten sind.

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